9. August 2011
folgendes basiert auf einer wahren begebenheit. ich übernehme keine gewähr für die richtigkeit jedes einzelnen details. sei es euch gesagt! wobei es auch ziemlich egal ist was stimmt und was nicht, in diesem falle schadet etwas unklarheit über passiert und nichtpassiert keinem.
ich hätte nicht gedacht, als ich vor einigen wochen zum allerersten mal meines lebens eine marlboro rauchte und es nicht sonderlich spektakulär fand, und als ich einige wochen später eine ganze packung einfach so geschenkt bekam weil jemand sie so, unwissend von wem sie war, rumliegen hatte, und es immer noch nicht sonderlich spektakulär fand, nein, jetzt sogar etwas weniger als nicht sonderlich spektakulär – einfach pure suchtbefriedigung, von geschmack konnte keine rede sein… – dass ich eines tages von dem bloßen gedanken, eine marlboro zu rauchen, ernsthaft einen brechreiz bekommen würde. man denke sich selber dazu was mir passiert wenn ich tatsächlich eine anzünde und versuche daran zu ziehen -
(nichts, ich sehe sie angewidert an und lasse sie unbedacht auf die fensterbank eines nachbarn fallen)
laila auf dem nachhauseweg. jemand sagte: lasst euch nicht klauen! zu den jungs die mal eben runter zum kiosk wollten. zu laila: komm gut nach hause. standard. sagt man so.
laila macht halt beim dönermenschen. türkische pizza, ohne alles.
kein salat, keine sauce?
nein danke, einfach so, pur.
woran liegt es denn, mögen sie kein salat oder ist es des geldes wegen?
das geld…no cash, man
dann mache ich ihnen salat rein, das ist kein problem.
wirklich? das ist ja…
ich suche nach dem richtigen adjektiv, will nicht ‘nett’ sagen, was ich aber schließlich tue weil mein kopf leer ist.
ja, das ist kein problem, wir sind doch alle menschen, da kann man sowas doch mal machen, das ist wirklich kein problem. letztens kamen hier welche an, die hatten hunger aber kein geld, ich hab gesagt kein problem und hab ihnen zu essen und zu trinken gegeben.
und das schadet ihrem geschäft nicht? kommen sie trotzdem gut durch?
ja, jaja, das geht wirklich, das ist kein problem, wenn ich an einem abend soundsoviel umsatz mache, wissen sie, was sind dann zwei euro? ich lebe gut, und wenn ich solche ‘ausnahmen’ mache lebe ich immer noch gut, also mache ich das auch. wir sind alle menschen, wir haben alle hunger.
diese begegnungen mit menschen machen restlos glücklich. man geht hinaus in die welt und lächelt eine zeit lang vor sich hin. dennoch fängt man bald an sich zu fragen, so, das hat mich jetzt zur überzeugung gebracht dass dieser und kein anderer dönermensch der einzig wahre ist – von nun an versuche ich, wenn möglich, immer hierhin zu gehen. hier fängt das ganze an sich zu verzwicken. ist es die herzlichkeit des inhabers? die tatsache dass ich eine komplette, gesunde, sättigende mahlzeit für weniger als zwei euro bekam – aus menschlichem mitgefühl? was würde passieren würde ich da nochmal antanzen und dieselbe show abliefern? denn ab dem zweiten mal wäre es eine show, auch wenn es dieses mal wahrhaftig keine war. und wenn ich versuchen würde, beim nächsten mal fünfzig cent mehr zu zahlen? würde er es annehmen? dürfte ich das aus respektgründen nicht eigentlich überhaupt nicht machen? wäre das nicht eine abgrundtiefe beleidigung an seine aufrichtige
laila schlendert zur bahn. sie kommt genau im richtigen moment. die zeit geht erstaunlich schnell vorbei. ehe sie sich versieht ist sie am bahnhof gesundbrunnen angekommen, ein herr setzt sich ihr gegenüber. die üblichen überlegungen, warum ausgerechnet hier wenn überall sonst auch frei ist.. bald merkt sie, wie immer, dass es keinen sinn hat, eigentlich ist es komplett sinnlos sich diese gedanken zu machen, ekeligen herren gibt es überall, und dieser sieht beim ersten kurzen, richtigen, nicht-über-die-reflektion-im-fenster- hinsehen gar nicht mal so abstoßend aus, ganz nett sogar, freundlich jedenfalls.
er fragt irgendwas, es ist unverständlich. bitte?
das datum, welches datum haben wir?
den sechzehnten. mittlerweile. sonntag war der fünfzehnte. montag ist der sechzehnte.
ja, danke.
kurzes palabern über das verschwimmen der tage, eigentlich ist es ja noch sonntag – ehe man nicht geschlafen hat ist es noch der tag an dem man das letzte mal aufgewacht ist.
er sagt er hat morgen frei und irgendwas anderes, sie versteht ihn sehr schlecht. er fragt was sie beruflich macht. sie studiert.
sie lächelt verständnisvoll. auf was genau sie verständnisvoll lächelnd reagiert weiß sie aber nicht. es ist eine reaktion, pure reaktion.
sie reden über das tolle berlin. billig, immer etwas los. vergleiche mit anderen deutschen städten.
da – beusselstraße. er steht auf. ich wohne hier.
ja, ich auch. ach.
sie holt filter, blättchen, tabak raus. sie gehen die treppe rauf, auf die brücke, zur straße.
das ist ja auch billig, bemerkt er.
ja, lacht sie, auch eine berlin-entdeckung. wirklich billig.
ich habe zwei packungen zuhause, aber ich rauche nicht.
achso? warum denn? notzigaretten? haha.
nein, einfach so. er weiß nicht warum, scheinbar. ich wohne hier, um die ecke. wenn sie wollen, können sie die zigaretten haben. marlboro.
ja, von mir aus, gerne doch. (zwei packungen kippen – umsonst? herdamit. denkt sie.) sie sucht feuer, kramt, findet. anmachen klappt nicht, dieses feuer ist fast leer.
da ist die tür. sie sagt sie wartet einfach unten, wenn das in ordnung ist. darüber hat sie sich die letzten paar meter gedanken gemacht – klar ist das unhöflich, der typ schenkt dir quasi zehn euro, das mindeste was man tun kann ist ihm den weg von haustür zu wohnungstür und zurück ersparen. aber langsam kommen erste bedenken hoch, also entscheidet sie sich für die unhöflichkeit.
er bittet sie darum mitzukommen. ist kein problem, kein problem.
gut..
erster stock, zweiter stock, dritter stock. es wird plötzlich sehr bedenklich. die straße ist fern. je weiter sie sich von der haustür entfernt, desto komischer wird das ganze.
die wohnung ist ein loch, kleiner als ihre eigene.
ich kann die zigaretten nicht rauchen. sie schmecken nach verzweiflung.